Freitag, 14. März
Hohentannen. Das Warten hat ein Ende: Das Dorf Hohentannen ist auf der gastronomischen Landkarte kein weisser Fleck mehr. Ab heute Freitag ist der «Hirsche», wie das Restaurant jetzt heisst, wieder offen.
Beim Betrieb des im Besitz der Politischen Gemeinde Hohentannen befindlichen Restaurants haben sich in jüngster Vergangenheit etliche Wirte die sprichwörtlichen Zähne ausgebissen. Der Ruf nach einem innovativen Konzept wurde laut, denn ein «Weiter wie bisher» hätte die Erfolgschancen von vornherein geschmälert.
Am Projekt massgeblich beteiligt war Lukas Hoffmann. Der Hohentanner Gemeindepräsident ist auch Gastronomieberater und konnte beim Neustart somit die erforderliche Expertise einbringen.
Neue Betreibergesellschaft
Ausgehend von der Erkenntnis, dass Wirte von zeitraubenden administrativen und bürokratischen Aufgaben entlastet werden müssen, um sich ganz den Gästen widmen zu können, wurde eine Aktiengesellschaft mit einem Aktienkapital von 100 000 Franken gegründet: die Hoguet AG. Diese fungiert als Betreibergesellschaft und Arbeitgeberin des Personals. Die Gemeinde vermietet die für den Betrieb der Gaststätte benötigten Räume an die AG, ist selbst auch Aktionärin und im Verwaltungsrat mit einem Delegierten, Gemeinderat Ramon Signer, vertreten.
«Hohetanne guet»
Hoguet steht für «Hohetanne guet» und bringt jenen Anspruch zum Ausdruck, dem der «Hirsche» gerecht werden möchte. Das Restaurant will mit seinem kulinarischen Angebot und seinen Angestellten die Geschichte der Region Hohentannen und der Schweiz «mit Schalk und frischen Impulsen» erzählen, dabei aber schlicht bleiben, sprich «unverkennbar, zeitlos und frei von effekthascherischer Dekoration». Die Verarbeitung regionaler Produkte und die Umsetzung einer fairen Preispolitik ist Teil der Philosophie, die das Restaurant wieder auf Kurs bringen soll. Der Gast soll stets im Mittelpunkt stehen, lautet die Zielsetzung.
Zu Beginn sei die Rekrutierung von Aktionären etwas harzig verlaufen, räumt die Verwaltungsratspräsidentin der Hoguet AG, Judith Zimmermann, ein. Mit der Zeit habe sich das Blatt jedoch gewendet, und an der ersten Aktionärsversammlung hätten über 70 Personen teilgenommen. «Das Engagement und das Herzblut der Aktionäre imponieren mir. Man spürt eine emotionale Verbundenheit mit der Liegenschaft», stellt Zimmermann erfreut fest. Das Ziel, die AG breit abzustützen, habe man erreicht. Rund 70 Prozent der Aktionäre seien Privatpersonen, mehrheitlich aus der Gemeinde und deren Umgebung.
Betriebsleiterin ist Jeannette Schmid. Sie verfügt über eine 25-jährige Erfahrung im Gastgewerbe und ist in Hohentannen keine Unbekannte, arbeitete sie von 2021 bis 2023 doch bereits im damaligen «Hirschen». Frühere Stationen waren die Restaurants Landhaus und Bahnhof in der Gemeinde Uzwil. «Ich habe mich sofort in dieses Haus in Hohentannen verliebt», verrät Schmid. Mit ihrem Engagement möchte sie dazu beitragen, dass sich die Gäste im «Hirsche» wohlfühlen, in geselliger Runde zusammensitzen und – nicht zuletzt – ein gutes Essen geniessen können. In der Küche und im Service sind je eine Frau und ein Mann angestellt.
Verkauf kein Thema mehr
Ein Verkauf der Liegenschaft, in welcher sich das Restaurant befindet, ist nach den Worten Ramon Signers heute kein Thema mehr. Es handle sich um «ein Haus mit Seele», das ganz einfach zu Hohentannen gehöre, betont er.
Das Ziel, die schmerzlich vermisste Beständigkeit wieder herzustellen, kann nach Einschätzung Signers erreicht werden. «Das neue Konzept überzeugt den Gemeinderat. Auch deshalb, weil sich Jeannette Schmid ganz ums Wirten kümmern kann», sagt Signer.
ggs