Freitag, 18. August 2023
Hohentannen. Unter dem Motto «Wunderland» stellt Künstlerin und Traumabegleiterin Mirjam Giger vom 1. bis 3. September ihre Bilder aus. Zudem spickt sie jeden Ausstellungstag mit einem Impuls-Vortrag.
In der Vergangenheit wurde die Bevölkerung von Hohentannen von der Hauptstrasse 7 aus mit ihrer Brief- und Paketpost versorgt. Diese Dienstleistung hat die Post längst eingestellt. Lediglich eine vergitterte Tür und Postfächer zeugen noch von dem Gewerbe, das hier einst ansässig war. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin und Traumabegleiterin Mirjam Giger mit ihrem Partner Werner Keller in diesem geschichtsträchtigen Haus.
Verschieden und doch gleich
Im Raum, in dem früher Kunden bedient wurden, hat sich Mirjam Giger ein gemütliches Atelier geschaffen, in dem sie ihre Gedanken mittels wasserlöslicher Wachsmalstifte zu Papier bringt. Mittlerweile hat die 46-jährige Autodidaktin über dreissig grossformatige Werke in naivem Malstil geschaffen, die vor allem durch ihre Farbintensität und der Liebe zum Detail auffallen. «Ich habe vieles ausprobiert, um mich ausdrücken zu können und habe dabei die Malerei für mich entdeckt», erklärt sie. Obwohl die Bilder, die Berge, Heissluftballone, Sonnenblumen oder einen Leuchtturm zeigen, unterschiedlicher nicht sein könnten, weisen sie dennoch eine Gemeinsamkeit auf. Auf jedem Bild hat sich Mirjam Giger selber als Betrachterin verewigt. Zudem sind auf den Werken ihre vierbeinigen Wegbegleiter wie die Geissen Max und Minni oder ihre Hündin Florentine zu erkennen. Mit der Realität haben Mirjam Gigers Bilder nur wenig zu tun. «Es handelt sich um eine Art Collage aus Bildern, die vor meinem inneren Auge auftauchen, vermischt mit äusseren Eindrücken», erklärt sie. Zum Malen ist Mirjam Giger gekommen, während sie sich mit ihren Traumatas und ihrer erhöhten Neurosensitivität auseinandersetzte. Früher sei sie sehr engagiert gewesen und oft über ihre Grenzen hinaus gegangen, sagt sie. Erschwerdend kam hinzu, dass sie von unguten, frühkindlichen Erinnerungen getriggert wurde. «Es war ein schleichender Prozess. Über die Jahre wurde ich reizbarer, brauchte immer mehr Zeit zum Erholen und war nicht mehr in der Lage, mich zu entspannen. Letztendlich raubte mir die ganze Situation buchstäblich den Atem», schildert sie ihre Geschichte. Um aus ihrem Erschöpfungszustand herauszukommen, intensivierte Mirjam Giger, als sie wieder die nötige Energie dafür aufbringen konnte, diejenigen Aktivitäten, aus denen sie Kraft schöpfen konnte und die ihr gut taten. Neben dem Malen sind das die Trekkings mit ihren Geissen oder ihre Arbeit als Kommunikationsfachfrau.
Bewusstsein schaffen
Um anderen Menschen bei der Bewältigung ihrer Traumatas zu helfen, hat sie mittlerweile eine Ausbildung für traumasensibles Coaching absolviert. «Es ist mir ein Anliegen, ein Bewusstsein für frühkindliche Verletzungen und deren Folgen zu schaffen», erklärt Mirjam Giger. Einen Einblick in diese Arbeit gewähren die rund zwanzigminütigen Impulsvorträge zu den Themen «Der Fluss des Lebens», «Mit Trauma leben» oder «Kraftquellen», mit denen sie ihre Kunstausstellung bereichert. Als Moderator fungiert ihr Wegbegleiter und guter Freund Erich Kleinhans. Die Ausstellung findet vom 1. bis 3. September im «Alten Tenn» an der Hauptstrasse 7 in Hohentannen statt. Detaillierte Informationen zu Öffnungs- und Vortragszeiten finden Interessierte unter www.underland.ch.
Monika Wick